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Adipositas (Übergewicht) ist ein häufiges Symptom bei Patientinnen und Patienten mit Spina bifida, mit einer Häufigkeit, die altersabhängig zunimmt. Ansätze des Übergewichts finden sich bereits bei Krabblern und Kleinkindern mit exzessiver Gewichtszunahme.
Die Diagnose der Adipositas ist erheblich leichter als die Therapie. Von allen wissenschaftlichen Autoren wird eine Verbindung zwischen dem Hydrozephalus, der Adipositas (was auch erklärt, warum viele Hydrozephalus-Patienten ohne Spina bifida übergewichtig sind) und der Bewegungsfähigkeit bzw. der Lähmungshöhe beschrieben. D. Shurtleff fand bei einer Lähmungshöhe von L1: 26 % adipöse Patienten, bei L2/3 nur 17 %.
Als Gründe für Adipositas bei Spina bifida gibt Sandler in seinem lesenswerten Buch „Living with Spina bifida“ zu hohe Kalorienzufuhr trotz eines bei verminderter Muskelaktivität geringeren Kalorienbedarfs und schlechte Essgewohnheiten in der Familie an. Dabei etablieren sich falsche Ernährungsgewohnheiten früh, auch die Fettzellenverteilung und der Metabolismus werden früh festgelegt, weshalb eine Prophylaxe im ersten Lebensjahr angefangen werden sollte. Eine Ernährungsberatung durch den Kinderarzt sollte schon beim Kleinkind beginnen.
Die Schluckstörung infolge Arnold-Chiari-Malformation II kann zu Überfütterung führen, weil sich jede Nahrungszufuhr in der frühen Säuglingszeit als schwierig erwiesen hatte und bei oft nachlassender Symptomatik mit derselben Intensität weiter gefüttert wird.
Psychologische Studien haben gezeigt: Sich schuldig fühlende Eltern füttern zuviel. Bei den Patienten kommt hinzu, dass gestörtes Essverhalten Ausdruck einer Depression sein kann.
Wie komplex die Situation ist, zeigt sich daran, dass sowohl der Lifestyle (Fernsehzeit korreliert mit Adipositas) als auch genetische Faktoren eine Rolle spielen, so wird das Gewicht des Kindes stärker vom Gewicht der biologischen Mutter als vom Vater bestimmt (Klesges 1993).
Dabei ist das Übergewicht nicht nur ein ästhetisches, sondern auch ein ernsthaftes medizinisches Problem: Durch die oft geringe Körpergröße der Spina-bifida-Patienten ist die Adipositas besser sichtbar, bei thorakaler Lähmung verstärkt durch den kurzen Thorax (evtl. auch eine zusätzliche Skoliose) mit der Gefahr von Atemnot. Adipositas geht oft mit Bluthochdruck einher, die Kombination aus Übergewicht und erheblichen, schwer zu therapierenden Lymphödemen der Beine besteht häufig. Körperpflege und Katheterisieren werden oft erheblich erschwert, wobei das infolge der Querschnittlähmung gestörte Körpergefühl noch verstärkend hinzukommt. Die Adipositas beeinflusst die Gehfähigkeit v. a. bei hochlumbalen Läsionen negativ.
Zur Diagnostik wird der Body Mass Index (BMI = Körpergewicht durch Länge zum Quadrat geteilt). Hier ergibt sich bei Spina-bifida-Patienten das Problem, dass durch Skoliosen, Beugekontrakturen und hypoplastische Beine eine geringe Körperlänge resultiert, sodass ein zu hoher BMI errechnet wird. Deshalb sollte bei Spina-bifida-Patienten die Armspannweite statt der Körperlänge verwendet werden. Eine Gewichtszunahme findet sich häufig nach Wechsel vom Gehen zum Rollstuhl.
Als normalgewichtig gilt eine Person mit einem BMI zwischen 18,5 und 25 kg/qm (altersabhängig), bei Werten über 25 kg/qm spricht man von Übergewicht, Werte über 30 kg/qm signalisieren eine behandlungsbedürftige Adipositas.