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Kontinenzversorgung · Spina bifida
Latex-Allergie – Vermeidbar durch Prophylaxe

Kontinenzversorgung · Spina bifidaPatienten mit zahlreichen Operationen, beginnend unmittelbar nach der Geburt, wie sie bei angeborenen Fehlbildungen oft nötig sind, hatten früher ein hohes Risiko (z. B. mehr als 40 % bei Spina-bifida-Patienten, ca. 20 % bei urogenitalen Fehlbildungen) einer Sensibilisierung gegen Allergene im Latex, d. h. in ihrem Blut sind Antikörper der Immunglobulin-Klasse E gegen Eiweiße im Latex nachweisbar. Circa ein Drittel der Sensibilisierten reagiert auch mit allergischen Symptomen (s. u.).

Im nächsten Schweregrad treten Asthma-ähnliche Atembeschwerden auf. Als stärkste Ausprägung wird der sogenannte anaphylaktische Schock bezeichnet mit krisenhaftem Blutdruckabfall, der oft während Operationen oder anderen medizinischen Maßnahmen auftritt.

Manche Patienten sind so allergisch, dass schon das Einatmen von latexhaltigen Stäuben zu allergischen Symptomen führt. Diese Situation ergab sich früher zum Beispiel in Krankenhäusern, wo puderhaltige Latex-Handschuhe verwendet wurden. Das Maismehl als Puder in den Handschuhen band Latex-Allergene und war eine Gefahr für latexallergische Patienten und eine Sensibilisierungsquelle für medizinisches Personal.

Inzwischen dürfen derartige gepuderte Handschuhe in Kliniken und Praxen nicht mehr verwendet werden.

Kann eine Latex-Allergie vermieden werden?

Bereits die ersten Operationen und Narkosen bei Patienten mit angeborenen Fehlbildungen, bei denen mehrere Operationen zu erwarten sind, sollten latexfrei erfolgen und in der Folge alle weiteren auch. Dazu sind entsprechende Empfehlungen veröffentlicht worden.

Mit diesem sehr aufwändigen Regime kann die Rate der Sensibilisierungen gegen Latex entscheidend gesenkt werden (zurzeit zwischen 5 und 7 % nach 5 Jahren Beobachtungszeit im Vergleich zu 40 % bei hinsichtlich Alter und Zahl der Operationen vergleichbaren Spina-bifida-Patienten ohne primäre Latex-Prophylaxe). Hierzu gehört auch die Auswahl latexfreier Materialien zum intermittierenden Katheterisieren und Darmmanagement. Ist ein Patient bereits gegen Latex sensibilisiert, kann jeder erneute Kontakt mit Latex zu allergischen Reaktionen führen und muss auf Dauer sorgsam vermieden werden.

Latex erkennen und richtige Maßnahmen treffen

Auslösende Situationen für allergische Reaktionen auf Latex (zusammengestellt nach Literaturberichten)

  • Tragen von Latex-Handschuhen (z. B. bei Operationen, Geburten, in der Pflege)
  • Gebrauch von Kondomen
  • zahnärztliche Eingriffe (Handschuhe und Kofferdam)
  • Kontrasteinlauf und Rektummanometrie
  • urologische Katheter (mit Latex-Ballon)
  • Pflaster
  • Infusionen (Flaschenverschlüsse aus Latex, Zuspritzmöglichkeiten mit Latexverschluss, Spritzen mit Latex-Dichtungen)
  • Ösophaguskatheter
  • Sport (Latex im Schlägergriff)
  • Aufblasen eines Luftballons
  • Beruhigungssauger  

 

Maßnahmen der Latex-Prophylaxe im Krankenhaus

  • Patienten werden morgens als Erste operiert.
  • latexfreie Handschuhe und Umgebung im Operationssaal.
  • Auswahl der Ersatzprodukte, z. B. anhand der „Latex Produktdatenbank“ von Yana Schürer (Dahlhausen, Köln)
  • Kontakte zu Herstellern wegen Anästhesie-Ausrüstung
  • latexfreies (intermittierendes) Katheterisieren und Darmmanagement
  • Latex-Allergenreduktion auf Stationen (puderfreie Handschuhe) und zu Hause