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Die Querschnittlähmung der Spina-bifida-Patienten betrifft nicht nur die Nerven, die die Harnblase versorgen, sondern in der Regel auch die Darmentleerung, die von denselben Zentren im Rückenmark gesteuert wird.
Daher leiden viele Patienten an Verstopfung und/oder unwillkürlichen Stuhlentleerungen mit den unangenehmen Geruchsfolgen und den Risiken für Harnwegsinfekte und Hautinfektionen. Mangelnde Bewegung durch Sitzen im Rollstuhl und falsche Ernährung können die Verstopfung noch verschlimmern. Gerade im Umfeld von Kindern und Jugendlichen bestimmt die Stuhlinkontinenz die soziale Ausgrenzung der Querschnittgelähmten.
Die normale Darmentleerung
Parasympathische Nervenfasern aus dem Rückenmarksegment S2 lassen die Muskulatur des Darmes zusammen ziehen (Peristaltik), damit wird der Stuhl zum Enddarm transportiert.
Aus den Segmenten L1–L4 ziehen sympathische Fasern zum inneren Afterschließmuskel und bringen ihn zur Kontraktion, während sie die Darmbewegungen (Peristaltik) hemmen. Über die Nerven aus dem Segment S4 werden der äußere Afterschließmuskel und die Beckenbodenmuskulatur willkürlich innerviert. Unter Ruhebedingungen ist im Wesentlichen der innere Schließmuskel für die Kontinenz verantwortlich, bei einer plötzlichen Dehnung des Mastdarms durch Stuhl und Erschlaffung des inneren Schließmuskels kann das Absetzen von Stuhl durch willentliches Zusammenziehen des äußeren Schließmuskels aufgeschoben werden.
Störungen im Rahmen der Querschnittlähmung
Bei Spina-bifida-Patienten ist sehr häufig die parasympathische Peristaltik gestört, es folgt eine verminderte Vorwärtsbewegung des Stuhls, die Stuhlsäule dickt ein und wird hart. Der innere Schließmuskel ist meist noch mit einem relativ guten Ruhetonus ausgestattet, sodass die Patienten bei leerer Ampulle kontinent sind. Bei Schwäche im Bereich des äußeren Schließmuskels werden unkontrolliert harte Stuhlballen abgesetzt, sobald sie die Ampulle des Enddarms erreicht haben. Der Anus (Afteröffnung) klafft bei der Untersuchung häufig und/oder schließt sich nach der Stuhlentleerung nur sehr verzögert. Andererseits ist auch ein fest verschlossener, spastischer äußerer Schließmuskel möglich, hinter dem sich größere Stuhlmengen stauen können. Im Zusammenhang mit der Neigung zu harten Stühlen ist somit die Entwicklung eines sogenannten Megakolons möglich. In unregelmäßigen Abständen kann sich der gestaute Kot zersetzen und mit reichlich Gasentwicklung verflüssigen. Große Mengen dünnen, jauchig riechenden Stuhls werden abgesetzt.
Ist die Hemmung der Darmbeweglichkeit durch den Sympathikus ausgefallen, resultiert eine verstärkte Peristaltik (bei gleichzeitiger Störung des inneren Schließmuskels) mit unkontrollierten Darmentleerungen im Sinne einer Überlaufenkopresis, einem eher seltenen Phänomen.
Teilt man die Darmentleerungsstörungen nach der Höhe der Querschnittlähmung ein, ist beim autonomen "Reflexrektum" infolge Läsion oberhalb des sakralen Entleerungszentrums ("Upper Motor Neuron Lesion") für Blase und Enddarm der Anus spastisch eng, Stühle werden häufig in kleinen, harten Portionen unkontrolliert abgesetzt.
Bei der autonomen, schlaff gelähmten „Lower Motor Neuron Lesion“ mit Schädigungen im Bereich des sakralen Steuerungszentrums steht der Anus offen aufgrund der Lähmung des äußeren Schließmuskels. Der von lumbalen Fasern versorgte innere Schließmuskel ist zwar mehr oder weniger intakt, die Speicherfunktion des Enddarms ist aber weitgehend aufgehoben wegen des reflexhaften Erschlaffens des inneren Schließmuskels bei Füllung der Ampulle, sodass Stuhl unkontrolliert abgesetzt wird. Oft faltet sich der Enddarm wie eine Ziehharmonika zusammen, dadurch wird trotz des offenen äußeren Schließmuskels eine Verstopfung erzeugt.
Das Gefühl für den Füllungszustand der Ampulle, die Konsistenz des Inhalts (fest, flüssig, gasförmig) und den Stuhldrang fehlt Spina-bifida-Patienten unterschiedlich ausgeprägt. Von einigen Patienten wird Stuhldrang als unangenehm schmerzhaftes, schwer lokalisierbares Gefühl im Bauch wahrgenommen, oft von vegetativen Symptomen begleitet. Diese Wahrnehmungen können in ein Sauberkeitstraining integriert werden.
Ziel der Sauberkeitserziehung
Ziel der therapeutischen Bemühungen muss eine regelmäßige, ausreichende Stuhlentleerung (möglichst einmal pro 24 Stunden) sein, um ein Megakolon zu verhindern. Dabei sollte eine soziale Kontinenz angestrebt werden, um die Geruchsbelästigung und die vor allem bei weiblichen Patienten hohe Gefahr von Harnwegsinfektionen durch aufsteigende Stuhlkeime zu vermindern. Eine soziale Kontinenz kann frühestens ab dem dritten bis vierten Lebensjahr erreicht werden.