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Das Rückenmark wandert im Verlauf der vor- und nachgeburtlichen Entwicklung scheinbar nach oben, da das umgebende Gewebe des Spinalkanals schneller wächst als das Nervengewebe des Rückenmarks.
Dieser Aszension genannte Vorgang ist der Grund dafür, dass die aus den letzten Segmenten des Rückenmarks stammenden Nervenwurzeln auf ihrem Weg zu den Zwischenwirbellöchern (Foramina intervertebralia) normalerweise einen schräg nach unten führenden Verlauf nehmen und einem Pferdeschwanz ähneln (Cauda equina).
Beim Tethered Cord („gefesseltes Rückenmark“) ist das Rückenmark gehindert, in der Wachstumsphase im Rückenmarkskanal nach oben zu wandern. Bei Spina-bifida-Patienten liegt es nahezu regelmäßig durch Vernarbung als Folge der operativen Erstversorgung nach der Geburt vor. Durch eine Zugbelastung des im Wirbelkanal nicht mehr frei beweglichen Rückenmarks entstehen zusätzliche Schäden am Nervengewebe. Weitere Fehlbildungen im Spinalkanal wie Lipom (Fettgewebsgeschwulst) oder Dermoid (Einschlusstumor aus Gewebe von versprengten Hautzellen) komplizieren den Verlauf und die chirurgische Therapie des Tethered Cord.
Chirurgische Maßnahmen sind in der Regel nur indiziert, wenn ein Tethered Cord symptomatisch wird (Tethered-Cord-Syndrom, TCS).
Die Symptome reichen von der Verschlechterung der sensiblen oder motorischen Querschnittsituation, Verschlimmerung von Fuß- oder Wirbelsäulenfehlstellungen bis zur Spastik, Schmerzen und Änderungen der Blasen- und Mastdarmfunktion, die sich oft durch sonografische (Restharnbestimmung nicht vergessen) und urodynamische Verfahren (Uroflowmessung (Video), Urodynamik mit entsprechender Druckmesssung) objektivieren lassen.
Ein TCS ist mit einer Reihe von Hauterscheinungen assoziiert (Tabelle 3), die aber weder regelmäßig vorhanden sind noch bei ihrem Vorhandensein ein sicheres Zeichen des TCS sind, bei zusätzlichen klinischen Symptomen aber den Verdacht erhärten und veranlassen, den Patienten der aufwändigen und teuren apparativen Diagnostik zuzuführen.